[07] Bis zum Meer

Meine Radreise durch Italien beginnt heute mit einer stilechten Übernachtung unter einer Brücke.

Ich bin ja schließlich offiziell arbeits- und obdachlos.

Unter der Brücke ist es trocken, eben und der Verkehr (auf der Straße) hält sich in Grenzen. Eine gute Brücke.

https://youtu.be/P0-EaVIytHs

Aber nicht zu lange aufhalten. Ich will ja zum Meer.

Unterwegs begegnet mir die bislang größte Schlange, die mir auf meinen Radreisen untergekommen ist. Auch nur etwas über einen Meter lang. Da hatte ich in der Iranischen Wüste wohl Glück, dass mir dort kaum Schlangen begegnet sind.

Bei meinem Navi habe ich immer noch eingestellt, mich über Nebenstraßen zu leiten. Das funktioniert richtig gut.

Vor allem die letzten Kilometer zum Meer fahre ich über schmale Trampelpfade durch Wiesen und Wälder.

Es liegt vielleicht mal ein Baum auf dem Weg. Aber den kann ich fix umgehen.

Am Strand angekommen, bin ich der Einzige.

Ich hatte mir extra auf der Karte den Ort, der am weitesten von irgendwelchen Hotelanlagen entfernt ist,  ausgesucht. Aber dass niemand hier ist, ist schon ein Glücksgriff.

Der Strand selber ist jetzt nicht der schönste, aber hinter ca. 15 Meter Sandstrand, ist genug Platz in den Büschen, um hier zu Ruhe zu kommen.

Müll gibt es auch keinen.

Auf Google Maps (Satellitenansicht ), sind auf diesem Strand Kioskbuden zu erkennen. Von denen jetzt aber nichts zu sehen ist.

Hinter einem Busch kann ich dann auch windgeschützt mein Essen kochen.

Am nächsten Morgen werde ich gegen 7 Uhr vom Sonnenaufgang geweckt.

Mein Schlafsack hat in der feuchten Nacht den Tau angezogen und dampft in der Sonne.

Ich lass mir ein wenig Zeit, bevor ich Frühstücke und meine Sachen zusammenpacke.

Das nächste Ziel ist Venedig.

[06] Im Flussbett übernachten

Meine Radreise durch Italien führt mich über Weinberge, die zugegebenermaßen absolut flach sind. Also eher Weinebenen, durch die norditalienische Tiefebene.

Die Weintrauben sind leider schon abgeerntet. Das wäre eine super Ergänzung zu meinen täglichen Schokoladenexzessen.

Ich habe ziemlich Glück mit dem Wetter. Seit ich in Italien bin, scheint mehr die Sonne, als dass es regnet.

Gegen Abend mache ich eine Ausnahme. Und übernachte “in” einem Flussbett. Normalerweise gilt die Regel: Niemals in einem Flussbett zu übernachten.

Beim Tagliamento sehe ich, trotz angekündigtem Regen,  aber keine große Gefahr.

Als “bedeutendster der letzten Wildflüsse, der Alpen” (Wikipedia), führt dieser nur nach starken Regenfällen Wasser.

Es ist nicht ganz leicht, mein Tarp windstabil aufzubauen. Der lose Kies bietet keinen Halt für meine Heringe. Ich muss mit Steinen improvisieren. Davon gibt es mehr als reichlich.

Gegen Mitternacht fängt es dann auch an zu regnen.

Angeblich gibt s ja Menschen, die als Beruhigung oder zum einschlafen, sich Regen auf Zelt Geprassel anhören.

Ich bezweifle, dass diese Aufnahmen in der original Lautstärke abgespielt werden. Mich hält der Regen eher vom Einschlafen ab.

Morgens, als ich wach werde, regnet es noch immer. Deshalb bleibe ich noch ne Stunde liegen.

Mein Zelt ist von der Straße aus zu sehen.

Ein Auto fährt auf dem Schotterweg vorbei. Hält an. Hupt.

Ich strecke den Kopf raus. Auto zeigt Daumen nach oben. Ich zeige Daumen nach oben. Auto fährt weiter.

Ich lege mich nochmal ne Stunde hin, bis es endlich aufhört zu regnen.

So gerade schaffe ich es im Trockenen meine Sachen zusammenzupacken. Frühstück verschiebe ich auf etwas später, wenn ich einen trockenen Unterstand gefunden habe.

Ich fahre weiter zum Meer.

[05] Zucker im Kaffee

Ein großer Vorteil meiner Art zu Reisen, ist, dass ich frei bin und einfach im Wald übernachten kann.

Ein großer Nachteil ist: ich schlafe im Wald.

Italien ist schön.

Und sehr angenehm zu befahren. Ich bin aus den Bergen raus und fahre über kleine Landstraßen durch Weinberge, die flach sind.

Wildcampen ist super einfach.

In dieser Episode gibt es herausragend gute Musik, ich überquere einen Fluss und durchquere Tunnel. Schön.

[04] Alpe Adria Trail, über die italienische Grenze

Ich fahre weiter durch den Regen, zumindest ist es warmer Regen.

Mein Mikrofon leidet im ersten Abschnitt an zu viel Nass und sorgt leider für schlechte Soundqualität. In der zweiten Hälfte wird das aber besser.
In Österreich ist die Beschilderung so großartig ausführlich, dass ich da als Deutscher schon neidisch werde.

Der Regen setzt auch mein Telefon für zwei Tage schachmatt, gut das der Weg so gut ausgeschildert ist.

Auf der Italienischen Seite läuft der Alpe Adria Trail über eine Bahnstrecke, die als Radweg umgebaut wurde.

Sehr schön

03 Mit der Bahn durch den Tauerntunnel

Dieser Abschnitt beginnt morgens auf einem Campingplatz. Es hat die ganze Nacht durchgerechnet. Und so habe ich meine Isomatte auf zwei Bänken, die ich zusammengeschoben habe, ausgelegt. Trocken übernachtet, und das Tarp musste ich auch nicht nass einpacken. Wenn ich dann noch hinzurechne, dass ich alle meine elektrischen Geräte aufladen konnte, da haben sich die 16 Euro gelohnt.

https://youtu.be/oBDV9DXGA8Y

Und selbst die hab ich nicht voll zahlen müssen. Der Platzbetreiber hat mich zu meiner Reise ausgefragt. So musste ich nur 15 Euro zahlen. Und Kaffee wurde mir auch spendiert.

Es herrschte mal wieder Unverständnis, dass ich Pakistan überlebt habe, ohne entführt zu werden.

Beim Frühstück dann die Erkenntnis: es ist Sonntag.

Mir bleibt jetzt noch ein halbes Brot. Schließlich haben heute die Geschäfte zu. Im Restaurant essen ist nicht in meinem Budget.

Erstmal losfahren. Es regnet gerade nicht. Aber das ändert sich schnell.

Im Starkregen fahren ich langsam den Berg hoch. Nicht wirklich steil, aber meine alte 22×36 Übersetzung hätte ich schon gerne zurück.

Gegen Mittag erreiche ich den Bahnhof. Am Bahnhof gibt es Döner. Mit 4,50 Euro nicht billig. Aber für Österreich ganz gut.

Außerhalb Deutschlands habe ich allerdings nie guten Döner gehabt. Am schlechtesten war der in Istanbul.

Es gibt keine Straße, die einzige Möglichkeit ist, mit dem Zug durch den Tauerntunnel. Kostet inklusive Fahrrad 8,50 Euro.

Am Automaten kann ich kein Radticket kaufen, nur ein Personenticket.

Also lade ich mir schnell die ÖBB App runter. Und kaufe das Ticket online. Das war auch verdammt schlau.

Der Schaffner steht schon draußen am Zug und willst erst meine Reservierung, inklusive Stellplatznummer, für mein Rad sehen.

Der war so freundlich, der könnte auch im deutschen Regionalverkehr arbeiten.

Die Zugfahrt ist bereits nach 12 Minuten wieder vorbei.

Es gießt wie aus Kübeln.

Meine neuen wasserdichten Motoradhandschuhe (30 Euro Polo), stellen sich als sehr saugfähig heraus. Aber natürlich nicht wasserdicht.

Der Regen ist nicht kalt, aber auch nicht warm.

Ich habe erstmal die höchste Stelle erreicht. Es geht für die nächsten 100km leicht bergab.

Ich bin zufrieden.

Allerdings nur solange, bis ich feststelle, dass mein Telefon im Wasser schwimmt. Und sich nicht mehr einschalten lässt.

Mist.

Wenigstens muss ich mir wegen der Navigation keine Sorgen machen. Der Alpe Adria Radweg ist verboten gut ausgeschildert.

Bei nächster Gelegenheit (morgen) kaufe ich Reis und lege mein Handy darin ein. Vorläufig schalte ich es nicht ein.

Ein komisches Gefühl, nicht auf alle Informationen Zugriff zu haben. Wie wird das Wetter heute Nacht. Wann genau ist Sonnenuntergang…

Abends suche ich mir einen Platz auf einer Wiese. Direkt am Waldrand.

Zwar sehr exponiert, aber das Gras ist flach.

Ohne Zeltboden hat das bei mir erhöhte Priorität. In nassem Grass schlafen ist nicht so meins. Schnecken schleimen bevorzugt über meinen Schlafsack.

Endlich werfe ich meinen Hobo Kocher an. DIY aus nem Ikea Besteckkorb.

Ich suche dünne Äste, die nicht direkt auf dem Boden liegen, und beim abbrechen noch knacken.

Baumharz von Nadelbäumen verstreiche ich auf dem Pappdeckel, den ich von der Box mit Teebeuteln abreiße. Es dauert etwas. Aber ich mache Feuer.

So geht ein weiterer Tag zu Ende.