03 Mit der Bahn durch den Tauerntunnel

Dieser Abschnitt beginnt morgens auf einem Campingplatz. Es hat die ganze Nacht durchgerechnet. Und so habe ich meine Isomatte auf zwei Bänken, die ich zusammengeschoben habe, ausgelegt. Trocken übernachtet, und das Tarp musste ich auch nicht nass einpacken. Wenn ich dann noch hinzurechne, dass ich alle meine elektrischen Geräte aufladen konnte, da haben sich die 16 Euro gelohnt.

https://youtu.be/oBDV9DXGA8Y

Und selbst die hab ich nicht voll zahlen müssen. Der Platzbetreiber hat mich zu meiner Reise ausgefragt. So musste ich nur 15 Euro zahlen. Und Kaffee wurde mir auch spendiert.

Es herrschte mal wieder Unverständnis, dass ich Pakistan überlebt habe, ohne entführt zu werden.

Beim Frühstück dann die Erkenntnis: es ist Sonntag.

Mir bleibt jetzt noch ein halbes Brot. Schließlich haben heute die Geschäfte zu. Im Restaurant essen ist nicht in meinem Budget.

Erstmal losfahren. Es regnet gerade nicht. Aber das ändert sich schnell.

Im Starkregen fahren ich langsam den Berg hoch. Nicht wirklich steil, aber meine alte 22×36 Übersetzung hätte ich schon gerne zurück.

Gegen Mittag erreiche ich den Bahnhof. Am Bahnhof gibt es Döner. Mit 4,50 Euro nicht billig. Aber für Österreich ganz gut.

Außerhalb Deutschlands habe ich allerdings nie guten Döner gehabt. Am schlechtesten war der in Istanbul.

Es gibt keine Straße, die einzige Möglichkeit ist, mit dem Zug durch den Tauerntunnel. Kostet inklusive Fahrrad 8,50 Euro.

Am Automaten kann ich kein Radticket kaufen, nur ein Personenticket.

Also lade ich mir schnell die ÖBB App runter. Und kaufe das Ticket online. Das war auch verdammt schlau.

Der Schaffner steht schon draußen am Zug und willst erst meine Reservierung, inklusive Stellplatznummer, für mein Rad sehen.

Der war so freundlich, der könnte auch im deutschen Regionalverkehr arbeiten.

Die Zugfahrt ist bereits nach 12 Minuten wieder vorbei.

Es gießt wie aus Kübeln.

Meine neuen wasserdichten Motoradhandschuhe (30 Euro Polo), stellen sich als sehr saugfähig heraus. Aber natürlich nicht wasserdicht.

Der Regen ist nicht kalt, aber auch nicht warm.

Ich habe erstmal die höchste Stelle erreicht. Es geht für die nächsten 100km leicht bergab.

Ich bin zufrieden.

Allerdings nur solange, bis ich feststelle, dass mein Telefon im Wasser schwimmt. Und sich nicht mehr einschalten lässt.

Mist.

Wenigstens muss ich mir wegen der Navigation keine Sorgen machen. Der Alpe Adria Radweg ist verboten gut ausgeschildert.

Bei nächster Gelegenheit (morgen) kaufe ich Reis und lege mein Handy darin ein. Vorläufig schalte ich es nicht ein.

Ein komisches Gefühl, nicht auf alle Informationen Zugriff zu haben. Wie wird das Wetter heute Nacht. Wann genau ist Sonnenuntergang…

Abends suche ich mir einen Platz auf einer Wiese. Direkt am Waldrand.

Zwar sehr exponiert, aber das Gras ist flach.

Ohne Zeltboden hat das bei mir erhöhte Priorität. In nassem Grass schlafen ist nicht so meins. Schnecken schleimen bevorzugt über meinen Schlafsack.

Endlich werfe ich meinen Hobo Kocher an. DIY aus nem Ikea Besteckkorb.

Ich suche dünne Äste, die nicht direkt auf dem Boden liegen, und beim abbrechen noch knacken.

Baumharz von Nadelbäumen verstreiche ich auf dem Pappdeckel, den ich von der Box mit Teebeuteln abreiße. Es dauert etwas. Aber ich mache Feuer.

So geht ein weiterer Tag zu Ende.

04 – Camping aufm Berg

Der vierte Abschnitt meiner Alpenweitwanderung.

Es beginnt bei gutem Wetter. Mal was Neues also.

Mein Weg führt mich Richtung Ischgl. Je näher ich dem bekannten Partyort komme, umso mehr Menschen sind auf den Wanderwegen.

Wir befinden uns im Jahre 2020. Ganz Österreich ist von Touristen besetzt… Ganz Österreich?

Ja, ganz Österreich. Da kann ich jetzt keinen Asterix Vergleich anbringen. Mir ist bis jetzt kein Land untergekommen (außer Inseln) die so großflächig vom Tourismus dominiert sind wie Österreich. Jeder Quadratzentimeter auf dem Berg ist touristisch genutzt. Im Tal ist gefühlt jedes zweite Haus eine Herberge.

In Ischgl sind die Apre Ski Bars zum Glück im Sommer alle geschlossen.

Die langen Wegstrecken sorgen für müde Füße. Nach knapp zwei Monaten Dauerwanderung, und zusätzlichen Eingewöhnungsmärschen setzt bei mir keine Gewöhnung ein.

Dass ich den Rucksack auch Bergab schleppen muss, davon will ich gar nicht erst anfangen.

Nicht mehr lange und dann werde ich wieder auf eine menschenwürdige Fortbewegungsmethode umsatteln.

03 – Wormser Hütte

Der dritte Teil meiner Alpenweitwanderung.

Mittlerweile wird die gesamte Tour vom Wetter bestimmt.

Bei gutem Wetter gehe ich auf den Berg. Dann verändert sich das Wetter, es fängt an zu regnen und ich muss wieder absteigen.

Ich starte bei Schruns und übernachte auf der Wormser Hütte. Erst hatte ich geplant, ein paar Tage auf dem Berg zu bleiben. Der Wettergott meinte aber: im Tal ist es bestimmt auch schön.

01 Mein neues Rad vom Sperrmüll

Durch einen glücklichen Zufall fällt mir bei meiner Ankunft in Salzburg ein neues Rad in die Hände.

Neu ist vielleicht das falsche Wort. Aber Ferdi – genau der Ferdi aus den Iran Videos – bei dem ich in Salzburg für ein paar Tage unterkommen kann, hat am Abend vor meiner Ankunft ein Fahrrad vor der Schrottpresse gerettet.

Nachdem ich Wandern zwar als spannendes Experiment angesehen habe, bin ich mit dieser Fortbewegungsart aber nie wirklich glücklich geworden.

So ist das Auftauchen eines Fahrrades wie eine Fügung höherer Mächte. Irgendjemand will wohl, dass ich wieder mit dem Rad reise.

Das Fahrrad, Marke Conway, hat ein paar Macken. Und eine Weltreise will ich damit bestimmt nicht bestreiten.

Die Bowdenzüge müssen erneuert werden. Ebenso die Bremsbeläge. Schaltung neu einstellen und ein Schutzblech von einem weiteren Schrottrad anpassen ist schnell erledigt.

Das Lagerspiel neu einstellen ist etwas fummelig. In der Hinterradnabe sind rechts und links unterschiedlich große Kugeln verbaut. Das ist mir so noch nicht untergekommen. Aber auch diese Hürde ist nach einem Fehlversuch geglückt. (Also ich hab’s natürlich erstmal falsch montiert).

Das Highlight sind ganz klar die Packtaschen. Nach längerem Suchen finde ich zwei Mülleimer in den passenden Maßen.

Zwei graue Klötze, die mit einem Designaward ausgezeichnet sind.

Ich persönlich halte sie für pottenhässlich.